Technikstufen bei Hörgeräten: Was bedeutet das?
- vor 8 Stunden
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Schön, dass Sie begonnen haben, sich mit Ihrer Ohrgesundheit und Ihrem Hören auseinanderzusetzen. Vielleicht haben Sie den Weg in ein Fachgeschäft bereits gefunden, vielleicht stehen Sie noch ganz am Anfang. Auf jeden Fall sind Sie aber über einen Begriff gestolpert, der Sie heute hierhergebracht hat:
Technikstufen.
Vielleicht haben Sie bereits gehört, dass ein und dasselbe Hörgerät in verschiedenen Technikstufen erhältlich ist. Es sieht gleich aus, trägt fast denselben Namen – kann aber plötzlich deutlich mehr oder weniger kosten.
Warum ist das so? Hört man mit einer höheren Technikstufe automatisch besser? Hat das Hörgerät dann mehr Programme? Und braucht man wirklich die höchste Stufe?
Keine Sorge: Sie müssen jetzt nicht zum Hörgeräteprofi werden.
Wir erklären Ihnen was hinter den Technikstufen steckt, wo die Unterschiede im Alltag tatsächlich eine Rolle spielen können – und warum mehr Technik nicht automatisch die bessere Lösung für Sie sein muss.

Erst einmal: Was ist eine Technikstufe?
Viele Hörgerätehersteller bieten dasselbe Hörgerätemodell in unterschiedlichen Technik- oder Leistungsstufen an.
Von außen kann man den Unterschied häufig gar nicht erkennen. Bauform, Gehäuse und grundlegende Technik können identisch sein. Der Unterschied steckt vor allem in dem, was das Hörgerät mit den Geräuschen um Sie herum machen kann.
Denn ein modernes Hörgerät macht Sprache nicht einfach nur lauter.
Es hört gewissermaßen permanent mit: Ist es gerade ruhig? Spricht jemand? Kommen Stimmen aus mehreren Richtungen? Sitzen Sie im Auto? Sind Sie in einem Restaurant? Gibt es Wind? Musik? Viele Menschen, die durcheinanderreden?
Das Hörgerät analysiert solche Situationen und versucht, seine Einstellungen entsprechend anzupassen. Je nach Hersteller und Technikstufe stehen ihm dafür unterschiedlich viele oder unterschiedlich leistungsfähige Möglichkeiten zur Verfügung.
Das passiert heute zu einem großen Teil automatisch.
Mehr Technikstufe bedeutet also mehr Programme?
Manchmal ja – aber so einfach ist es nicht.
Bei manchen Herstellern stehen in höheren Technikstufen tatsächlich zusätzliche Hörprogramme oder Funktionen zur Verfügung. Das können beispielsweise besondere Einstellungen für Musik, sehr laute Umgebungen, Autofahrten oder andere anspruchsvolle Situationen sein.
Das bedeutet aber nicht, dass Sie bei einem hochwertigen Hörgerät den ganzen Tag auf einen Knopf drücken und zwischen zehn verschiedenen Programmen wechseln müssen.
Ganz im Gegenteil. Moderne Hörgeräte versuchen, möglichst viel davon selbst zu erledigen. Sie erkennen Veränderungen in der Hörumgebung und passen ihre Verarbeitung automatisch daran an.
Der Unterschied zwischen den Technikstufen liegt deshalb häufig weniger darin, wie viele Knöpfe Sie drücken können, sondern vielmehr darin, wie viele Möglichkeiten das Hörgerät im Hintergrund hat.
Am Küchentisch merkt man den Unterschied vielleicht kaum.
Stellen wir uns eine einfache Situation vor: Sie sitzen morgens mit Ihrem Partner am Küchentisch. Es ist ruhig, Sie sitzen sich gegenüber und unterhalten sich.
Für ein modernes Hörgerät ist das eine vergleichsweise übersichtliche Aufgabe. Auch eine niedrigere Technikstufe kann hier sehr gute Unterstützung bieten.
Jetzt verlegen wir dasselbe Gespräch in ein gut besuchtes Restaurant: Am Tisch sitzen sechs Menschen. Rechts unterhält sich die nächste Gruppe, hinter Ihnen klappert Geschirr, irgendwo läuft Musik und plötzlich spricht jemand links von Ihnen. Jetzt muss Ihr Hörgerät deutlich mehr leisten.
Welche Geräusche sind wichtig? Woher kommt die Sprache? Was gehört zum Hintergrund? Was sollte reduziert werden? Und wie lässt sich das alles so verarbeiten, dass Sie weiterhin möglichst natürlich hören und sich orientieren können?
Genau in solchen Situationen können die Unterschiede zwischen den Technikstufen deutlicher werden.
Was kann eine höhere Technikstufe zusätzlich bieten?
Das unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller und sogar zwischen verschiedenen Hörgerätefamilien. Eine allgemeingültige Liste gibt es deshalb nicht.
Typische Unterschiede können beispielsweise darin liegen, wie differenziert Sprache und störende Geräusche verarbeitet werden, wie das Hörgerät mit Wind oder Hall umgeht, wie viele unterschiedliche Hörsituationen die Automatik erkennt oder welche zusätzlichen Programme zur Verfügung stehen.
Auch Musik, Gespräche in größeren Gruppen oder Sprache aus unterschiedlichen Richtungen können in höheren Technikstufen aufwendiger verarbeitet werden.
Man könnte vereinfacht sagen:
Je anspruchsvoller und abwechslungsreicher Ihr Höralltag ist, desto interessanter können die Möglichkeiten einer höheren Technikstufe werden.
Ist die höchste Technikstufe dann automatisch die beste?
Nein.
Und das ist uns bei Glücklich Hören besonders wichtig.
Natürlich kann die höchste Technikstufe eines Hörgerätes mehr Möglichkeiten bieten. Aber mehr Möglichkeiten bringen Ihnen nur dann etwas, wenn Sie diese in Ihrem Alltag auch wirklich brauchen.
Wenn Sie überwiegend zu Hause sind, sich meistens mit einzelnen Personen unterhalten und selten in größeren Gruppen oder geräuschvollen Umgebungen unterwegs sind, brauchen Sie möglicherweise gar nicht sämtliche Funktionen einer höheren Technikstufe.
Wenn Sie dagegen beruflich viele Meetings haben, regelmäßig Restaurants besuchen, Veranstaltungen lieben, häufig mit mehreren Menschen gleichzeitig sprechen oder ständig zwischen unterschiedlichen Hörsituationen wechseln, können zusätzliche Funktionen und eine differenziertere automatische Verarbeitung für Sie interessant sein.
Deshalb lässt sich die Frage nach der richtigen Technikstufe nicht allein mit einem Hörtest beantworten.
Es geht nicht um eine Technikstufe. Es geht um Unterstützung für Ihren Alltag.
Das klingt vielleicht etwas ungewöhnlich, ist aber ein wichtiger Gedanke.
Zwei Menschen können auf dem Papier einen sehr ähnlichen Hörverlust haben und trotzdem ganz unterschiedliche Anforderungen an ihre Hörgeräte stellen.
Der eine verbringt seine Abende am liebsten mit seiner Frau zu Hause und möchte vor allem Gespräche und den Fernseher wieder besser verstehen.
Die andere führt beruflich Besprechungen, fährt anschließend mit der Bahn nach Hause, trifft abends Freund im Restaurant und geht am Wochenende ins Theater.
Ähnlicher Hörverlust. Völlig anderer Höralltag.
Und damit möglicherweise auch eine ganz andere Antwort auf die Frage, welche Technikstufe sinnvoll ist.
Hat mein Hörvermögen Einfluß auf die Auswahl der Technikstufe?
Kurz gesagt: Ja, und zwar einen ziemlich großen.
Denn die passende Technikstufe hängt nicht nur davon ab, wo Sie gut hören möchten. Genauso wichtig ist die Frage, was Sie persönlich brauchen, um dort gut hören zu können.
Unser Gehirn kann erstaunlich gut mit fehlenden Informationen umgehen. Denken Sie zum Beispiel an einen Lückentext: Selbst wenn einzelne Buchstaben fehlen, können wir viele Wörter trotzdem lesen und verstehen. Ganz ähnlich ist es beim Hören. Kommen Teile der Sprache nicht vollständig bei uns an, versucht unser Gehirn, die fehlenden Informationen zu ergänzen.

Wie gut das gelingt, ist allerdings von Mensch zu Mensch verschieden.
Denn ein Hörverlust bedeutet nicht einfach nur, dass alles etwas leiser wird. Vielleicht sind bestimmte Frequenzbereiche stärker betroffen als andere. Vielleicht können Sie Sprache in einer ruhigen Testsituation noch sehr gut verstehen – vielleicht erreichen Sie dort aber auch mit optimaler Lautstärke keine 100 Prozent mehr. Und vielleicht verstehen Sie im ruhigen Gespräch wunderbar, merken aber, dass Ihr Kopf in einem vollen Restaurant ziemlich schnell sagt:
Das ist mir hier gerade alles zu viel.
Hinzu kommt, wie lange ein Hörverlust bereits besteht und wie vertraut Ihr Gehirn mit bestimmten Höreindrücken noch ist. Wer lange mit einem unbehandelten Hörverlust gelebt hat, muss sich an manche Geräusche und an die neue Fülle an Hörinformationen möglicherweise erst wieder gewöhnen.
All diese Dinge können eine Rolle dabei spielen, welche Unterstützung durch ein Hörgerät sinnvoll ist.
Für einen Menschen kann beispielsweise eine leistungsfähigere Automatik hilfreich sein, die in unruhigen Situationen stärker dabei unterstützt, Sprache aus den vielen Geräuschen herauszuarbeiten. Das kann das Hören angenehmer und weniger anstrengend machen.
Ein anderer Mensch kommt in derselben Situation vielleicht auch mit weniger Unterstützung hervorragend zurecht und empfindet eine stärkere Verarbeitung sogar als weniger natürlich.
Deshalb können zwei Menschen mit einem ganz ähnlichen Alltag trotzdem von unterschiedlichen Technikstufen profitieren.
Bei der Auswahl der Technikstufe schauen wir also nicht nur darauf, ob Sie häufig ins Restaurant gehen, viele Meetings haben oder gerne Konzerte besuchen. Wir schauen auch darauf, wie Ihr Gehör und Ihr Gehirn mit diesen Situationen zurechtkommen. Wie stark ist Ihr Hörverlust? Welche Frequenzbereiche sind betroffen? Wie gut ist Ihr Sprachverstehen? Wie erleben Sie Sprache im Störgeräusch? Wie anstrengend ist Hören für Sie? Und wie kommen Sie mit unterschiedlichen Arten der technischen Unterstützung zurecht?
Aus all diesen kleinen Puzzleteilen entsteht nach und nach ein Bild davon, welche Technik Ihnen tatsächlich hilft. Und genau deshalb lässt sich die passende Technikstufe weder allein aus Ihrem Hörtest noch allein aus Ihrem Lebenslauf ablesen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Ihrem Gehör, Ihrer Wahrnehmung, Ihrem Alltag und Ihren persönlichen Hörzielen.
Warum sind Hörgeräte mit höheren Technikstufen teurer?
Mit höheren Technikstufen werden innerhalb einer Hörgerätefamilie in der Regel zusätzliche oder leistungsfähigere Funktionen verfügbar. Das kann eine differenziertere automatische Verarbeitung von Hörsituationen sein, zusätzliche Komfortfunktionen oder eine bessere Unterstützung in besonders anspruchsvollen Umgebungen.
Deshalb steigen mit der Technikstufe meist auch die Kosten.
Das bedeutet aber nicht, dass ein günstigeres Hörgerät ein „schlechtes Hörgerät“ ist. Und genauso wenig bedeutet ein besonders teures Hörgerät automatisch, dass Sie damit persönlich am besten hören werden.
Die richtige Technikstufe ist nicht die höchste. Es ist die, die zu Ihnen passt.
Wie finde ich heraus, welche Technikstufe ich brauche?
Genau hier wird Beratung wichtig.
Wir bei Glücklich Hören möchten nicht zuerst wissen, welche Technikstufe Sie kaufen möchten. Wir möchten wissen, wie Sie leben.
Wo fällt Ihnen Hören schwer? Beim Fernsehen? Im Restaurant? Im Auto? Bei Familienfeiern? In Meetings? Wenn mehrere Menschen gleichzeitig sprechen? Sind Sie nach einem Arbeitstag erschöpft, weil Sie sich bei Gesprächen ständig konzentrieren müssen?
Und genauso wichtig: Wo funktioniert Hören für Sie eigentlich noch gut?
Aus diesen Antworten entsteht ein viel besseres Bild davon, was Ihr Hörgerät können sollte als aus einer Tabelle mit technischen Funktionen.
In unseren Glücklich Hören Fachgeschäften können Sie unterschiedliche Lösungen von verschiedenen Herstellern kennenlernen und ausprobieren. Denn am Ende sollte nicht eine Zahl auf dem Datenblatt entscheiden, sondern Ihr eigenes Hörerlebnis. So viel wie nötig – nicht so viel wie möglich.
Technikstufen sind sinnvoll, weil nicht jeder Mensch dieselben Anforderungen an ein Hörgerät hat. Wer häufig in anspruchsvollen und wechselnden Hörsituationen unterwegs ist, kann von den zusätzlichen Möglichkeiten einer höheren Technikstufe profitieren. Wer einen ruhigeren Höralltag hat, ist möglicherweise mit weniger Technik genauso glücklich.
Und genau deshalb glauben wir bei Glücklich Hören nicht daran, einfach grundsätzlich die höchste Technikstufe zu empfehlen.
Wir glauben an die Technik, die zu Ihrem Gehör, Ihrem Alltag und Ihrem Leben passt. Denn am Ende zählt nicht, wie viel Ihr Hörgerät kann.
Sondern wie gut Sie damit hören.


